Keine Angst vor Kali


Ein Trauma aufzuarbeiten heißt, in die tiefsten Abgründe zu blicken. Kālī gibt dir die Kraft dazu. Sie ist mit allen Waffen, die ihr zur Verfügung stehen, an deiner Seite. Selbstbewusst stellt sie sich allen Aufgaben, mögen sie noch so schrecklich sein. Für tiefe innere Arbeit mit den eigenen Schatten gibt es keine bessere Begleiterin.

Wenn du dich schonmal mit Mantras und indischen Gottheiten beschäftigt hast, bist du wahrscheinlich auch Kālī begegnet. Und vielleicht hast dir jemand sowas erzählt wie „mit dem Kālī-Mantra musst du ganz vorsichtig sein“, oder sogar „Kālī ist gefährlich, davon sollte man besser die Finger lassen“. Die kurze Antwort: Bullshit. Für die lange Antwort muss ich etwas ausholen.

Ja, keine Frage, Kālī ist krass. Sie trägt eine Kette aus abgeschlagenen Dämonen-Köpfen um den Hals, und einen Gürtel aus abgehackten Armen um die Taille. Ansonsten zeigt sie ihre nackten Brüste, sie reißt die Augen auf, streckt die bluttriefende, rote Zunge raus. Wer Kālī einmal gesehen hat, vergisst sie so schnell nicht. Und nicht wenige verlieben sich auf den ersten Blick in diese wilde, schroffe Göttin.

Wieso ist das so? Vielleicht spüren sie die Liebe, die sich dahinter verbirgt. Vielleicht spüren sie aber auch, dass in dieser grausamen Symbolik so viel Wahrheit liegt. Kālī kommt vom Sanskrit-Wort kāla – Zeit (übrigens auch ein Beiname von Yama, dem Totengott). Und genau darum geht es. Kālī macht uns ganz kompromisslos deutlich, dass das Leben in der materiellen Welt endlich ist. Alles ist dem unaufhörlichen Fortschreiten der Zeit unterworfen. Alles was ist, wird früher oder später vergehen. Das Leben wird uns geschenkt und auch wieder genommen und die Vergänglichkeit ist unsere tägliche Begleiterin. In diesem Gedanken kann Angst stecken, aber auch Trost. Wenn alles weltliche vergänglich ist, dann ist es auch das schlimmste Leid. Und wer im Bewusstsein der Endlichkeit lebt, weiß, was wichtig ist im Leben. Das, was dem Leben seinen Wert verleiht, ist die Tatsache, dass es irgendwann endet.

Kālī gehört zu den Göttinen, die in den Kampf ziehen und auf dem Schlachtfeld die Dämonen niedermetzeln. Im Devī Māhātmyam wird ihr Kampf gegen den Dämon Rakta-bīja erzählt, der sich mit jeden Tropfen seines Blutes, der den Boden berührt, vermehrt, so dass sie kurzerhand ihre riesige Zunge auf dem Schlachtfeld ausrollt, das Blut trinkt und alle Rakta-bījas aufisst. Was wörtlich genommen grausam bis ekelerregend klingt, dahiner steckt eine heilsame Symbolik. Machen wir uns bewusst, dass die Dämonen unsere niedere Natur repräsentieren, schlechte Eigenschaften, die wir ablegen wollen, quälende Gedanken, die uns daran hindern, ein glückliches und erfülltes Leben zu leben. Dann zeigt uns Kālī, dass es nur schlimmer wird, wenn wir uns gegen diese Dämonen gewaltvoll zur Wehr setzen. Gehen wir mit Äxten und Schwertern gegen das Schlechte vor, wird es immer mehr und immer stärker. Wenn wir uns die vermeintlich dunklen Aspekte einverleiben – und genau das geschieht im Akt der Nahrungsaufnahme – wenn wir sie zu einem Teil von uns werden lassen, dann verschwinden sie ganz von alleine bzw. haben keine Macht mehr über uns.

Kālī hält sich nicht an gesellschaftliche Konventionen und zeigt uns damit, dass auch wir uns davon nicht einschränken lassen müssen. Nackte Brüste waren nicht nur im alten Indien nicht gesellschaftsfähig – bis heute lassen alle sozialen Medien Bilder von weiblichen Brustwarzen nur verpixelt zu, aber darum schert sie sich nicht (auch wenn es natürlich Darstellungen von ihr gibt, die sich an die Norm anpassen). Kālī muss sich nicht schön machen, die Haare stehen wild vom Kopf, ihre spärliche Kleidung – nunja, dass mit der Kette aus Dämonen-Köpfen und den abgeschlagenen Armen hatten wir ja schon … So wild sie aussieht, so anziehend ist sie. Und interessanterweise, das ist mir in vielen Begegnungen aufgefallen – gerade für Menschen, die in ihrem Leben traumatische Erfahrungen gemacht haben.

Kompromisslos alles annehmen, aber auch für sich einstehen, sich von allem lösen, was nicht guttut – dafür steht Kālī in einem besonderen Maße. Sie vermag mehr Stärke zu geben, als alle anderen Gottheiten. Wer sich seinen inneren (und auch den äußeren) Dämonen stellen will, braucht starke Unterstützung. Ein Trauma aufzuarbeiten heißt, in die tiefsten Abgründe zu blicken. Kālī gibt dir die Kraft dazu. Sie ist mit allen Waffen, die ihr zur Verfügung stehen, an deiner Seite. Selbstbewusst stellt sie sich allen Aufgaben, mögen sie noch so schrecklich sein. Für tiefe innere Arbeit mit den eigenen Schatten gibt es keine bessere Begleiterin.

Wenn jemand vor dem Kālī-Mantra warnt, dann heißt es oft, dass es so viele Geschichten von Menschen gibt, deren Leben mit der Einweihung ins Kālī-Mantra aus den Fugen geraten ist. Menschen, deren Leben sich plötzlich verändert hat, die Verluste erlitten haben. Die gute Nachricht ist: das liegt nicht unbedingt an Kālī. Die schlechte Nachricht ist: das ist die Natur des spirituellen Weges, ganz unabhängig davon, welchem göttlichen Aspekt du dich zuwendest, oder ob überhaupt einem. Wenn du dich aufmachst, das Leben zu ergründen, dann wird das deine Welt erschüttern. Ich spreche aus Erfahrung. Ich liebe Kālī, nutze aber ein anderes Mantra, in das ich eingeweiht bin, für meine tägliche Praxis. Auch in meinem Leben ging in den letzten Jahren einiges drunter und drüber. Ich habe Menschen verloren, Beziehungen und Freundschaften gingen in die Brüche, ich habe viele Krisen erlebt. Ich habe gelitten, mit Blut, Schweiß und Tränen. Das ist der Raum des Wachstums, der sich automatisch auftut, in dem Moment, in dem wir die Bahnen des gewohnten Lebens verlassen und uns aufmachen, um einen höheren Sinn zu finden.

In diesem Raum zeigen sich auch alte Traumata, die schon immer da waren, aber hier endlich ins Licht dürfen. Das ist ein harter, anstrengender und oft auch unschöner Prozess. Nun ist es aber nicht so, dass unsere Welt ins Wanken gerät durch das Kālī-Mantra, sondern umgekehrt. Die Krise war immer schon da, und der wahre spirituelle Weg macht es unabdingbar, dass die Dämonen sich zeigen. Und wir dürfen froh sein, die starke, furchtlose Kālī dabei an unserer Seite zu haben. Insofern finde ich es beinahe schon grob fahrlässig, vor Kālī zu warnen. Denn wer Trauma erlebt hat, gerät sehr wahrscheinlich früher oder später in eine Krise. Wer nicht ewig im dumpfen Sumpf der Verdrängung leben möchte, dem fliegt so oder so irgendwann das Leben um die Ohren. Mit oder ohne Kālī-Mantra. Und dann ist es doch besser, kompetente Begleitung zu haben, die sich auf den Schlachtfeldern auskennt.

Kālī ist die Wut, also die Energie, die uns in die Handlung kommen lässt. Wenn wir lernen, sie uns zunutze zumachen, sie in Aktion umzuwandeln, statt sie immer nur zu unterdrücken und gegen uns selbst zu richten, wird sie zum heiligen Zorn, den wir brauchen, um Ungerechtigkeiten zu beenden. Und die Liebe? Kālī steht nicht nur für die Wut und den Kampf, sondern auch für die Liebe. Ihren Verehrer:innen gegenüber ist sie die gütige, liebevolle Mutter. Zusammen mit ihrem Liebsten, Shiva, bildet sie die absolute Einheit allen Seins.

Einmal bleibt Kālī in ihrer rasenden Wut, mit der sie die Dämonen vernichtet hat, hängen. Sie ist nicht mehr zu bändigen und tanzt mit obszönen Gesten auf dem Schlachtfeld herum, dass es für alle ein fürchterlicher Anblick ist. Da kommt ihr Geliebter, Shiva, und legt sich ihr zu Füßen (auf all den Bildern, auf denen Kali auf dem am Boden liegenden Shiva tanzt, ist genau diese Szene gemeint, der Gute ist also nicht tot, sondern liegt dort aus einem bestimmten Grund). Als Kālī ihn bemerkt, erinnert sie sich – an die Liebe, den Ursprung von allem. Die Wut ist vergänglich, so wie alles andere im Leben, was einen Anfang hat, auch ein Ende hat. Aber die Liebe, die ist ewig.

Die Musik zu der Geschichte von Kali auf dem Schlachtfeld und dem Tanz auf Shiva findest du hier.

Spirituelle Lebensberatung


Für die meisten Menschen ist die erste Begegnung mit Yoga eine, die große Freude auslöst. Es eröffnet sich ein Weg zu besserem Körpergefühl, Ruhe und Entspannung und manchmal auch größerer Sinnhaftigkeit im Leben. In diesen Yoga-„Flitterwochen“ ist plötzlich alles viel, schöner, besser, leichter.

Erfahrungsgemäß hält dieser Zustand nicht ewig an. Das Leben ist ein Auf und Ab und das ändert sich nicht unbedingt, wenn jemand Yoga macht. Spirituelle und allgemeine Lebenskrisen gehören dazuund sind ein ganz wichtiger Teil des Raums, in dem Entwicklung stattfindet.

In der spirituelle Lebensberatung bekommst du die Möglichkeit, zu reflektieren, wo du gerade stehst und welche Ressourcen dir zur Verfügung stehen. Du bekommst ein tieferes Verständnis davon, wie du die Werkzeuge des Yoga für dich nutzen kannst.

Darüber hinaus geht es auch im konkrete Fragen zu Asanas, Pranayama oder Meditation. Ich berate insbesondere zu Asanapraxis im Einklang mit deiner individuellen Anatomie, fortgeschrittener Pranayama Praxis des Kundalini Yoga (nach Yoga Vidya) und Mantra Meditation sowie Mantraweihe.

Die spirituelle Lebensberatung eignet sich besonders für einzelne Termine, immer dann, wenn du das Gefühl hast, irgendwo festzustecken und nicht wirklich voranzukommen. Bei längerfristigen oder tiefergehenden emotionalen Themen könnte dir (auch zusätzlich) die psychologische Yogatherapie weiterhelfen.

Weitere Infos zur Buchung findest du hier.

Mantras in der spirituellen Praxis

Die Wiederholung eines Mantras reinigt den Geist von Alltagsbelastungen und Glaubenssätzen und hebt ihn auf eine Schwingungsebene, die dem Göttlichen näher ist. Dabei gibt es verschiedene Arten und Weisen, wie genau du den Mantra in der Praxis nutzen kannst.

Du kannst den Mantra laut sprechen, vor dich hinflüstern oder still im Geist wiederholen. Gerade wenn der Geist unruhig ist und die Konzentration schwerfällt, kann die laute Rezitation sehr hilfreich sein. Das setzt natürlich voraus, dass auch der Raum dafür gegeben ist. In einer gemeinsamen Meditation mit anderen, bei der jede:r für sich praktiziert, oder gar beim Bahnfahren ist das eher keine Option.

Das Flüstern des Mantras bringt die Konzentration dann immer mehr nach Innen. Je leiser, desto subtiler und damit umso wirkungsvoller ist die Schwingung. Als höchste Form der Mantrawiederholung gilt es, wenn das Mantra im Geist in reine Stille übergeht.

Die Mantra-Meditation lässt sich auf verschiedene Weisen unterstützen. Ist der Geist unruhig, kannst du dir einen zusätzlichen Konzentrationspunkt suchen. Die klassischen Optionen sind hier das Herz als Raum der Emotionen oder der Punkt zwischen den Augenbrauen als Raum des Geistes. Aber auch andere Konzentrationspunkte sind möglich. Eine Mala kann ein zusätzlicher Anker sein, also eine Perlenkette, bei der du mit jeder Wiederholung des Mantras eine Perle weitergehst.

Mit Mantra ist klassischerweise eine bestimmte Meditationsformel, meist in Sanskrit, gemeint (mehr dazu hier). Aussprache und Melodie sollten am Besten von einem:r qualifizieren Lehrer:in gelernt werden. Um dabei den Mantra zu finden, der für dich geeignet ist, solltest du auf die Schwingung und besonders deren Wirkung auf dich achten. Gibt es vielleicht einen Klang, der dich anspricht, vielleicht auf eine Weise, die du mit dem Kopf gar nicht so recht erklären kannst? Etwas, Resonanz auslöst?

Wenn du einen Mantra gefunden hast, der dich anspricht, praktiziere eine Weile damit und beobachte, welche Wirkung er auf deinen Geist hat. Wenn er dir hilft, deinen Geist Stück für Stück in einen Zustand der Ruhe zu bringen, bleibe dabei. Die Kraft des Mantras entfaltet sich immer mehr, je regelmäßiger du damit praktizierst. Eine besondere Kraft bekommt deine Praxis mit der Einweihung in einen Mantra. Auch hierfür wendest du dich an eine: qualifizierte:n Lehrer:in.

Du kannst aber auch mit anderen Formeln meditieren. Eine Affirmation kann zum Mantra werden. Oder auch nur ein Wort wie Liebe, Frieden, Harmonie. Alles, was dich innerlich zur Ruhe kommen lässt, ist gut.

Mantra – Zauberworte des Yoga


Die Wiederholung des Mantras reinigt den Geist von Alltagsbelastungen und Glaubenssätzen und hebt ihn auf eine Schwingungsebene, die dem Göttlichen näher ist.

Ein Mantra ist nichts, was sich jemand ausgedacht hat, keine Dichtung oder Poesie. Mantras sind heilige Klänge, die in tiefer Meditation erfahren wurden (und werden). Die Praxis mit Mantras macht sich das Prinzip zunutze, dass alles im Universum Schwingung ist. Mananāt trāyate iti mantrah – der Mantra* ist, nach dieser klassischen Definition der Schriften, das, was den Geist beschützt und befreit.

Ein praktisches Beispiel aus dem Leben: In meinem Zimmer hängen einige Gitarren an der Wand. Manchmal treffe ich beim Sprechen (oder auch mit anderen Geräuschen, Niesen, Gähnen, Husten) unbeabsichtigt die Frequenz einer der Gitarrensaiten, die zu schwingen beginnt und hörbar wird. Wenn die Saite mit der Schwingung meines Klangs in Resonanz geht, wird die Saite aktiviert. Ähnlich ist es mit der Mantra-Praxis. Wenn die Schwingung des Mantra-Klangs deiner Schwingung entspricht, wird etwas in dir angestoßen, zum Klingen gebracht.

Im engeren Sinne ist ein Mantra eine Lautfolge in Sanskrit, der heiligen Sprache Indiens. Sanskrit gilt deshalb als heilig, weil die Sprache eine besondere Schwingungsebene hat. Ähnlich ist es zum Beispiel mit dem Hebräischen. Nicht umsonst werden Worte wie Halleluja oder Amen im Original gesprochen – mit der Übersetzung würde auf der Ebene der Frequenz etwas verloren gehen, abgesehen davon ist die Bedeutung so vielschichtig, dass die Festlegung auf ein einziges Wort sie nicht vollständig ausdrücken könnte.

Insofern kann der Begriff Mantra auch auf andere Sprachen ausgeweitet werden. Trotzdem ist der Mantra nicht beliebig. In den Schriften sind sechs Aspekte festgehalten, die den Mantra zu einem solchen machen: Der Ṛṣi, Seher, Lehrer, Meister (männlich oder weiblich), der oder die diesen Klang zum ersten Mal in Meditation erfahren hat. Zu manchen Mantras gibt es überlieferte Geschichten, wie zum Beispiel zum Gayatri Mantra und dem Weisen Viśvāmitra, der als sein Seher gilt.

Mātrā bezeichnet das Versmaß, das den Klang und die Schwingung des Mantras ausmacht. In den Feinheiten der Sanskritsprache, die zwischen langen und kurzen Vokalen, zwischen leichten und schweren Silben unterscheidet, ist dieser ureigene Rhythmus erhalten. Daher ist es für die Praxis mit Mantras auch so wichtig, sich mit Sanskrit zu beschäftigen oder die Aussprache zumindest von jemandem zu lernen, der/die die korrekte Aussprache gewährleistet. Darüber macht auch die Gleichwörmmitkeit in der Wiederholung, in Rhythmus und Klang, die Wirkung des Mantras auf den Geist aus.

Dem Mantra wird üblicherweise auch eine Iṣṭa-Devatā zugeordnet, eine Gottheit, die durch den jeweiligen Klang repräsentiert wird. Das kann eine konkrete personelle Darstellung sein, wie Shiva, Vishnu, Lakshmi oder Saraswati, aber auch ein abstrakteres Konzept wie das des göttlichen Atems (so’ham) oder der Essenz des Universums (om). Damit verbunden ist Bīja, wörtlich der Same oder Keim. Ein kurzer, einsilbiger Klang, der die Essenz des Mantras und des göttlichen Aspekts enthält und nicht übersetzbar ist. Letztendlich ist jede Silbe des Sanskrit-Alphabets ein Bīja Mantra, ein essentieller, göttlicher Klang, was sie Besonderheit der Sprache ausmacht.

Und schließlich kann sich durch intensives Japa, also die Praxis der Mantra-Wiederholung, Kīlaka, der Verschluss des Mantras, lösen, oder anders ausgedrückt, können sich innere Blockaden lösen, die dich daran hindern, dein volles Potenzial zu leben. Durch diesen Reinigungsprozess wird Śakti, die Kraft des Mantras, in dir erweckt.

Diese sechs Aspekte (Ṛṣi, Mātrā, Iṣṭa-Devatā, Bīja, Kīlaka, Śakti) sind es, die den Mantra charakterisieren und ihn von anderen Worten unterscheiden. Der Mantra kommt aus der göttlichen Quelle jenseits des rationalen Verstanden und beinhaltet damit die Möglichkeit, uns an diesen Ursprung wieder anzubinden (das Wort Yoga geht auf das Wort Joch zurück – das Verbindungsstück zwischen Zugtierund Ackergerät). Die Wiederholung des Mantras reinigt den Geist von Alltagsbelastungen und Glaubenssätzen und hebt ihn auf eine Schwingungsebene, die dem Göttlichen näher ist. Damit ist der Mantra einmachtvolles Werktzeug in der spirituellen Praxis.

*du wirst sowohl der Mantra als auch das Mantra in der Literatur finden. Der Mantra übernimmt den Artikel aus dem Sanksrit, wobei sich das Mantra mittlerweile so eingebürgert hat, dass es quasi durch „Gewohnheitsrecht“ ebenfalls richtig ist.

3 Chakras – Übung zum Singen und Sprechen

Nutze die feinstofflichen Energiezentren, um deiner Stimme beim Singen und Sprechen mehr Ausdruck zu verleihen.

Vielleicht hast du manchmal das Gefühl, nicht gehört zu werden, wenn du sprichst, dass deine Worte die Menschen um dich herum nicht erreichen. Vielleicht wird deine Kehle manchmal eng. Um insgesamt mit mehr Präsenz und der Unterstützung deiner ganzen Körpers zu sprechen und zu singen, empfehle ich dir auch die Übungen, die du unter diesem Link findest.

Mit der folgenden Methode kannst du die Energie von drei Chakras – Manipura, Anahata und Vishuddha, gezielt nutzen, um mit mehr Bewusstheit zu sprechen oder zu singen.

Wähle dir einen kurzen Satz, um die Techniken zu üben. Besonders gut eignet sich ein Mantra, wenn du damit bereits vertraut bist, z.B. om namah shivaya. Wenn du dir einen Satz in einer anderen Sprache aussuchst, wähle einen mit positiver Bedeutung. Du kannst auch ein Lied singen.


Manipura Chakra

Manipura Chakra befindet sich in der Lendenwirbelsäule, im Bereich des Bauches um den Nabel herum bzw. knapp oberhalb des Bauchnabels. Je nach Tradition unterscheidet sich die Lokalisierung leicht, für die Übung spielt die Genauigkeit keine Rolle. Nimm dir zu Beginn der Übung einen Moment Zeit, um den Bauch zu spüren – nimmst du vielleicht irgendwo Wärme oder ein Pulsieren wahr? Dort bringst du deine Aufmerksamkeit hin. Wenn du nichts im Besonderen wahrnimmst, spüre einfach den Bauch.

Beginne dann, ganz aktiv mit dem Bauch zu atmen. Beim Einatmen wölbt sich die Bauchdecke nach vorne, beim Ausatmen ziehst du sie wieder nach innen. Manipura Chakra ist der Sitz deiner Lebensenergie, deine Kraftquelle. Wenn die Energie hier gut fließen kann, schenkt dir das Selbstbewusstsein und Enthusiasmus.

Wiederhole dann neunmal oder öfter laut dein Mantra oder deinen Satz bzw. singe dein Lied. Die Aufmerksamkeit ist im Bauchraum, du atmest ganz bewusst und gibst Kraft in deine Stimme hinein.

1 Manipura Chakra

Nimm dir danach einen Moment in Stille, um der Schwingung deiner Worte nachzuspüren.

Die einzelnen Elemente stehen nicht für sich, sondern bauen aufeinander auf. Wenn du also zum zweiten Schritt übergehst, behälst du die tiefe Bauchatmung bei.


Anahata Chakra

Anahata Chakra befindet sich in der Brustwirbelsäule. Das spirituelle Herz ist nicht wie das physische leicht nach links versetzt, sondern mittig in der Brust. Nimm dir einen Moment Zeit, hineinzuspüren. Vielleicht beobachtest du ein Gefühl von Wärme, Pulsieren, vielleicht nichts im Besonderen.

Setze dich ganz bewusst aufrecht hin. Finde eine Sitzhaltung, in der dir das entspannt möglich ist. Lasse die Schultern nach hinten und unten fließen, hebe das Brustbein an, so dass der Brustraum auf der Vorderseite Weite erfährt. Anahata Chakra steht für Liebe und Lebensfreude. Lächle beim Sprechen oder Singen.

Wiederhole dann wieder neunmal oder öfter laut dein Mantra oder deinen Satz bzw. singe dein Lied. Die Aufmerksamkeit ist im Herzen, atme weiter tief in den Bauch (Manipura), lächle und gibt Liebe und Freude deine Stimme hinein. Lausche, wie sich der Klang deiner Stimme verändert.

2 Anahata Chakra

Nimm dir danach wieder einen Moment in Stille, um der Schwingung deiner Worte nachzuspüren.


Vishuddha Chakra

Vishuddha Chakra befindet sich in der Halswirbelsäule bzw. Kehle. Es ist das Zentrum der Kommunikation und damit für die Stimme besonders wichtig. Vishuddha Chakra ist auch mit dem Element Raum verbunden und gibt dir das Bewusstsein, den Raum mit deiner Stimme auszufüllen.

Stell dir ein Gefühl von Weite in der Kehle vor. Wenn dir das schwerfällt, atme zunächst ein paarmal bewusst zur Kehle hin und stell dir mit dem Ausatmen vor, wie der Bereich weit wird. Um Vishuddha Chakra beim Sprechen oder Singen zusätzlich zu aktivieren, artikuliere deine Worte besonders deutlich.

Wiederhole dann wieder neunmal oder öfter laut dein Mantra oder deinen Satz bzw. singe dein Lied. Die Aufmerksamkeit ist in der Kehle, atme weiter tief in den Bauch (Manipura), sitze aufrecht mit weiter Brust und lächle (Anahata) und sprich deine Worte deutlich aus. Stell dir dabei vor, den Klang in die Weite zu schicken. Lausche auch hier wieder, wie sich der Klang deiner Stimme verändert.

3 Vishuddha Chakra

Nimm dir danach wieder einen Moment in Stille, um der Schwingung deiner Worte nachzuspüren.

Der Körper als Resonanzraum beim Singen

5 Übungen für ganzheitlichen Gesang

Du kannst Singen als ganzheitliche, spirituelle Praxis üben, bei der der gesamte Körper als Resonanzraum genutzt wird. Gerade, wenn es dir schwerfällt, deinen Körper zu spüren, können dir die folgenden fünf Übungen helfen, dich besser wahrzunehmen.

So wird es dir möglich, beim Singen deinen ganzen Körper in Schwingung zu versetzen, Blockaden auf körperlicher und energetischer Ebene lösen sich und du fühlst dich freier und leicher.

Probiere es aus, wenn du eine oder mehrere dieser Übungen regelmäßig machst, wirst du auch feststellen, dass sich deine Stimme und deine Präsenz beim Singen von selbst verändern.

1. Praktiziere regelmäßig Entspannungstechniken, bei denen du deinen Körper wahrnimmst, z.B. Yoga Nidra oder Bodyscan.
Beobachte dabei deinen ganzen Körper sehr detailliert, möglichst neutral. Nimm alle Empfindungen wahr, wie z.B. kribbeln, pulsieren, aber auch, wenn du in einem Körperteil nichts spüren kannst. Das ist okay.
Nimm dir immer wieder Zeit, deinen Körper einfach nur wahrzunehmen.


2. Klopfe vor dem Singen deinen ganzen Körper ab. Beginne bei den Beinen, klopfe spürbar kräftig, aber liebevoll, mit den Handflächen, wandere weiter nach oben über Gesäß, Bauch, unteren Rücken, Brust, Schultern Arme. Klopfe mit den Fingerspitzen die Kopfhaut und besonders das Gesicht ab. Bringe so Lebendigkeit in deinen Körper.


3. Schüttel dich! Stell dich hin und beginne, aus den Knien heraus zu wippen. Lass die Arme und Schultern locker, so dass sie mitbewegt werden. Lass das Wippen stärker werden, dreh das Becken, so dass die Arme um den Körper herumschleudern und bring den ganzen Körper kräftig in Bewegung. Atme tief. Wenn andere Bewegungsimpulse dazukommen, geh ihnen nach. Wenn du Lust bekommst, zu tanzen, dann tanz! So löst du angestaute, feste Energien.


4. Stell dich aufrecht und entspannt hin. Atme in verschiedene Körperteile hinein. Atme über die Füße ein und aus. Die Beine, das Becken. Geh so detailliert vor, wie es sich stimmig anfühlt. Wenn es bei Tipp 1 Stellen gibt, die du wenig spürst, atme dort besonders hinein. In einem zweiten Schritt kannst du in verschiedene Körperteile hinein summen oder tönen. Spüre die Vibration zuerst da, wo du sie gut wahrnehmen kannst, dann dehne die Wahrnehmung immer weiter aus., bis du die Schwingung im ganzen Körper spürst.


5. Schalte den Kopf aus. Entspann dich. Ich weiß, das ist leichter gesagt, als getan. Aber je mehr du im Kopf mit Techniken beschäftigt bist, damit, ob du etwas „richtig“ oder „falsch“ machst, desto weniger bist du im Spüren. Löse dich von den Vorstellungen und widme dich den Empfindungen im Hier und Jetzt. Sei liebevoll mit dir, auch wenn es mal nicht so klappt, wie du es dir vorstellst.

Von den Elementen zur Einheit des Lebens

Mutter Natur und du sind eins

Dein Körper besteht aus den gleichen Elementen wie alles um dich herum. Mit den Elemente Erde, Feuer, Wasser, Luft und Raum sind im Yoga grundsätzliche Qualitäten gemeint, die Urprinzipien des Daseins, aus denen sich alles zusammensetzt.

Das Element Erde ist das Prinzip all dessen, was fest ist, unbewegt, schwer, grobstofflich. Das Element Erde in dir, Knochen, Zähne, alles, was dieses feste Prinzip repräsentiert, ist das gleiche Element Erde wie das im Gestein der Felsen und Gebirge.

Das Element Wasser ist das Prinzip all dessen, was flüssig ist, fließend, feucht. Das Element Wasser in dir, das Blut, das durch deine Adern fließt, die Feuchtigkeit, die deine inneren Orgabe geschmeidig hält, alles, was flüssig ist, ist das gleiche Element Wasser wie das des Morgentaus, des Regens, der Flüsse und Ozeane.

Das Element Feuer ist das Prinzip all dessen, was heißt ist. Es hat eine transformierende Kraft und findet sich auch in der Elektrizität. Das Element Feuer in dir, die Wärme deines Körpers, das Verdauungsfeuer, die elektrischen Impulse deiner Nerven alles, was heiß ist, ist das gleiche Element Feuer wie das des Lagerfeuers, der Blitze und der Lavaströme der Vulkane.

Das Element Luft ist alles, was leicht ist, feinstofflich, beweglich. Das Element Luft in dir, der Atem, der in dich ein- und ausströmt, der Brust und Bauch bewegt, alles, was leicht ist, ist das gleiche Element Luft wie der Wind, der die Blätter der Bäume rascheln lässt.

Das Element Raum oder Äther ist das, was die Grundlage für die anderen Elemente ist, der absolute, reine, feinstoffliche Raum, der alles enthält. Das Element Raum in dir, in den Hohlräumen des Körpers, den Zwischenräumen der Gelenke, der Raum, denn du einnimmst, ist das gleiche Element Raum wie das des Raumes um dich herum, des sich in die Unendlichkeit des Weltalls ausdehnt. Alle Begrenzung ist Illusion.

Die Befreiung der Stimme

Freies Tönen löst Blockaden nicht nur in Vishuddha Chakra, sondern in deinem ganzen Energiesystem. Klang erzeugt Schwingung und kann damit alte, festgefahrene Energien lösen.

Welche Glaubenssätze über deine Stimme trägst du mit dir rum? Mir sind in den letzten Jahren, in denen ich Songcircle anleite, unzählige Menschen begegnet, die von sich sagen „Ich kann nicht singen“. Dahinter wartet oft eine unerfüllte Sehnsucht von „ich würde aber so gerne“. Dabei ist es so einfach. Wer sprechen kann, kann auch singen. Deine Stimme ist DEIN einzigartiges Instrument, um dich auszudrücken, und damit kannst du nichts, wirklich rein gar nichts, falsch machen.

Warum ist es dann trotzdem nicht so einfach? Wenn wir auf die Welt kommen, sind wir frei, auch was unsere Stimme angeht. Kleine Kinder leben uneingeschränkt die Lust aus, Laute zu erzeugen, ihre Stimme auszuprobieren. Und dann heißt es: nicht so laut! Später dann: du redest zu leise! Und irgendwann kommt dazu: „Du kannst nicht singen.“ Vielleicht auch: „Das ist alles Quatsch, was du sagst“. Unreflektiert setzen sich diese Glauenssätze in uns fest, und zwar nicht nur im Kopf, sondern auch auf körperlicher und energetischer Ebene.

Wenn vor dem Vortrag oder in einer Gesprächsrunde die Kehle eng wird, der Hals trocken, das Herz klopft, spürst du die Wunden dieser Sätze im Körper. Sitzt der Schmerz erstmal so tief, reicht in der Regel ein rein intellektueller Weg nicht aus, um das Problem aufzulösen. Aber wenn es sich so anfühlst, als wäre dein Körper in solchen Situationen dein Feind, dann kannst du beruhigt sein. Denn dein Körper ist gleichzeitig dein wichtigstes Werkzeug zur Heilung.

Das, was die Gefühle verursacht, sind Schmerzmuster aus der Vergangenheit. Das, was dir hilft, dich im Hier und Jetzt zu verankern, sind deine Körpersymptome. Sie zu beobachten, ist der erste Schritt. Zu fühlen, ohne intellektuell einzuordnen, zu benennen, zu bewerten. Schon das ist gar nicht so einfach. Im zweiten Schritt geht es darum, alles, was du da spürst, anzunehmen, willkommen zu heißen. Und das nicht nur als Gedanke im Kopf, sondern mit deinem gesamten Wesen, mit Körper, Geist und Seele.

Auf diesem Weg kann die Arbeit mit der Stimme weit mehr sein als ein Training im Sprechen und Singen. Es ist ein Weg zu dir selbst, zu Annahme und Akzeptanz. Diese Arbeit findet auf vielen Ebenen statt, sowohl geistig, als auch körperlich und energetisch. Sie erfordert den Mut, dich darauf einzulassen, die Grenzen, die du dir im Laufe deines Lebens angeeignet hast, zu überschreiten.

Auf der energetischen Ebene ist die Stimme vor allem mit Vishuddha Chakra verbunden. Das Energiezentrum, das dem Kehlbereich zugeordnet wird, lässt dich Raum einnehmen. Mit einem frei schwingenden Vishuddha Chakra bist du in der Lage, dich auszudrücken und mit deiner Umwelt in Kontakt zu treten, mit allen Mitteln der Kommunikation – Stimme, Sprache, Mimik, Gestik …

Die Praxis des indischen Nada Yoga, dem Yoga des Klangs, gibt dir den Raum, deine Stimme frei zu entfalten. Es gibt hier kein richtig oder falsch. Die indische Musik basiert auf dem Prinzip der Improvisation. Natürlich gibt es auch hier Regeln und Techniken, die man lernen kann. Wir nutzen aber vor allem den freien Aspekt der Praxis – Tönen, Ausprobieren, Experimentieren. Dem eigenen Klang lauschen.

Es ist auch egal, ob das, was dabei entsteht „schön“ klingt. Schön ist ohnehin eine subjektiv angelernte Bewertung. Wir sind durch unsere westliche Musik sehr auf Harmonie fixiert. Alles soll „schön“ zusammenklingen. In der indischen Musik sind die Dissonanzen willkommen. Die vermeintlich schrägen Klänge haben nicht mehr oder weniger Wert, sondern sind Ausdruck dafür, dass in unserer Welt ganz unterschiedliche Dinge und Ansichten aufeinandertreffen und alles nebeneinander seine Berechtigung hat.

Freies Tönen löst Blockaden nicht nur in Vishuddha Chakra, sondern in deinem ganzen Energiesystem. Klang erzeugt Schwingung und kann damit alte, festgefahrene Energien lösen. Von da aus kann es weitergehen. Letztendlich ist die Fähigkeit, beim Singen die Töne zu treffen, etwas, das nahezu alle Menschen lernen können. Und es hilft dir, ganz fein in den Bereich deiner Kehle hineinzuspüren.

Auf diese Weise deine Singstimme zu entdecken, kann dir auch helfen, dich beim Sprechen verbundener zu fühlen. Es kann dich in die Lage versetzen, deinen Worten Kraft zu geben. Und es gibt für jeden, der/die den Wunsch hat, zu singen, einen Weg. Willst du deinen Weg entdecken?

Möglichkeiten zur Einzelarbeit an deiner Stimme findest du hier.

Funktionaler Yoga in der Praxis

Hier möchte ich dir vorstellen, was Funktionaler Yoga ist und was das Thema einer Einzelsitzung bei mir sein wird. Einen weiteren Beitrag dazu findest du hier.

Ich habe den funktionalen Ansatz während meiner Yin Yogalehrer Ausbildung im Herbst 2020 kennengelernt. Bis dahin hätte ich nicht gedacht, dass es etwas geben könnte, das meine langjährige Yogapraxis und mein Unterrichten – in jeder Hinsicht, nicht nur auf Yin Yoga bezogen – so nachhaltig verändert. Bis dahin war ich zufrieden mit den Standards des Praktizierens und Unterrichtens, die ich gelernt hatte.

Zumindest war ich oberflächlich zufrieden. Aber irgendwo blieb immer eine gewisse Unsicherheit. In der eigenen Praxis äußerte sich das in dem immer wiederkehrenden Geühl von Frustration, wenn mein Körper nicht so funktionierte, wie ich es wollte bzw. wie es mir in Yogastunden suggeriert wurde. Im Unterrichten kam ich immer wieder an meine Grenzen, wenn ich Teilnehmer:innen nicht weiterhelfen konnte und das Gefühl hatte, nicht einschätzen zu können, was jemand gerade wirklich braucht.

Bis dahin hatte ich Yoga hauptsächlich so kennengelernt, wie es üblicherweise vermittelt wird: mit einem ästhetischen Schwerpunkt. Mit war ein äußeres Bild von verschiedenen Haltungen vermittelt worden. Im funktionalen Yoga geht es darum, deinen Körper kennenzulernen. Seine Bedürfnisse, seine Möglichkeiten, seine Begrenzungen. Basis dafür sind die anatomischen Grundlagen:

  • Skelettsegmente, insbesondere die wichtigsten Gelenke und ihr Bewegungsspielraum
  • Muskelgruppen, in welcher Haltung wird welcher Muskel wie beansprucht, welche Muskeln wirken zusammen, wie lässt sich die Dehnung verbessern
  • das Zusammenwirken von Dehnung und Kompression

Funktionaler Yoga fragt nicht, wie die Haltung aussehen soll. Es geht um die FUNKTION – was möchte ich gerade erreichen? Was kann die Haltung für MICH tun? Ist es eine Dehnung an einer bestimmten Stelle oder die Kräftigung einer Muskelpartie? Und das unterscheidet sich nicht nur von Mensch zu Mensch. Jedesmal, wenn du eine Haltung einnimmst, kannst du dir die Frage stellen, was sie JETZT für dich tun soll. Denn jede Haltung spricht unterschiedliche Körperpartien an.

Da Yoga in seiner Wirksamkeit auch nicht auf das Körperliche beschränkt ist, kann es auch sein, dass dein Ziel gar nichts mit Dehnung oder Kräftigung zu tun hat. Vielleicht möchtest du in der Haltung besonders zur Ruhe kommen. Vielleicht möchtest du den meditativen Aspekt betonen. Und dementsprechend richtest du deine Praxis aus. Die Asanas sind nicht dazu da, dass du deinen Körper in eine bestimmte Form bringst.

Bei jeder Asana kannst du dir die Frage stellen, was dich davon abhält, noch tiefer in die Stellung zu kommen. Spürst du Dehnung, ist es die Beweglichkeit des myofaszialen Gewebes (also der Muskeln und des Bindegewebes). Spürst du vielleicht Druck, könnte es Kompression sein – das heißt, im Gelenk stoßen Knochen aneinander, so dass der Bewegungsspielraum hier ausgeschöpft ist. Bist du übermäßig angespannt, kannst di Hilsmittel wie Kissen und Gurte nutzen.

Jeder Mensch ist anatomisch einzigartig. Eine Yogastunde mit mehreren Teilnehmern kann diese einzelnen Besonderheiten nur bedingt abdecken. Daher ist es wichtig, dass du dir deines Körpers selbst bewusst wirst. Gerade, wenn du in der Yogapraxis oft das Gefühl hast, dass dein Körper irgendwie nicht richtig ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Denn dein Körper ist immer richtig! Wirkliches Yoga beginnt erst dann, wenn du aufhörst, gegen deinen Körper zu kämpfen. Erst dann können sich die geistigen und spirituellen Aspekte der Praxis entfalten.

In der Einzelarbeit hast du die Gelegenheit, ganz individuelle Hinweise zu bekommen. Dazu, wie du die Bedürfnisse deines Körpers erkennst und wie du sie erfüllen kannst. Welche Hilfsmittel du nutzen kannst, um in eine Praxis zu kommen, die dir wirklich guttut. Du lernst, welche Haltungen gut für dich sind und auch, welche dir schaden können.

Wenn du Interesse an einer Einzelsitzung hast oder wissen möchtest, ob sie für dich hilfreich sein könnte, nimm gerne per E-Mail oder über das Formular Kontakt zu mir auf.